Man glaubt kaum, was bei so einer Reise alles schief gehen kann. Eigentlich planten wir zu dritt nach Peru zu fliegen, Mario ist schon in Südamerika und wollte uns dort treffen. Und was passierte dann? Zwei Tage vor Abflug sagte die erste Freundin ab. Keine 18h vor dem Flug dann die zweite. So kam es also, dass ich morgens um fünf alleine am BER stand. Begeisterung riesig. UNO habe ich dann doch zuhause gelassen, mit sich alleine kann man das ja schlecht spielen. Am BER erst mal noch eben einen Schnelltest machen, da der von gestern Abend nur auf deutsch ist und mir das zum Reisen unpraktisch vorkam. Zum Glück war keine große Schlange und ich war dort super schnell durch. Dann einchecken, Gepäck abgeben und auf zum Boarding. Klingt einfach, oder? Das erste mal stöhnte ich auf, als ich meine Bordpässe sah. Hat die Trulla mir doch echt Plätze in der Mitte gegeben. Nervig auf langen Flügen. 50 Meter weiter sah ich die Schlange zur Sicherheitskontrolle. Uff. Es ist kurz vor Weihnachten und Menschen fliegen zu ihren Familien. Hab ich eventuell nicht bedacht. Bisher kenne ich den BER nur außerhalb der Ferienzeiten und kam immer schnell durch. Fehlanzeige heute. Acht Minuten bevor mein Boarding beginnt spreche ich einen Typen schräg vor mir in der Schlange an, ob er mich vorlassen kann, weil mein Flug gleich geht. Er entspannt – der ältere Herr hinter ihm rastet richtig aus. Von wegen das gehe nicht, hier haben ja alle Zeitdruck, bla bla. Sein Flug ging über eine halbe Stunde nach meinem. Ich weiß nicht ob er am Ende damit leben konnte, es war mir aber auch egal und so kam ich zur Sicherheitskontrolle. Alles in die Kisten werfen (ich bin ja geübt) und schnell durch. Leider fehlt als ich am anderen Ende ankomme jede Spur von meiner Uhr. Boarding ist gestartet. Ich spreche den Sicherheitstyp an, er gibt sich etwas genervt auf die Suche. Sind ja nur zehn Meter in denen sie verschwunden sein kann. Ich stehe da, warte und fluche. Der nette junge Polizist springt mir zur Hilfe und fragt, was ich vermisse. Ich beschreibe ihm kurz meine Uhr und auch er macht sich auf die Suche. Beide erfolglos. Ich sehe die Zeit wegrennen und werde langsam nervös. Frage den Polizisten, ob ich irgendwo meine Mailadresse lassen kann oder so, um von der Uhr zu hören, falls sie gefunden wird. Er bringt mich zum Supervisor. Der ist leider auch gestresst, weil eine andere Dame ihren Laptop vermisst und so sagt er mir nur, dass ich mich an das Lost and Found wenden soll. Ich renne also gestresst los, was soll ich da noch groß diskutieren. Meine Uhr ist weg, mein Flug geht in wenigen Minuten. Ich renne also ein wenig durch den Flughafen, zum Glück sind meine Beine noch vom Marathon trainiert. Als einer der letzten boarde ich das Flugzeug. Meine Sitzreihe ist noch frei, doch zwei Sekunden nach mir kommt ein Herr an, der genau die gleiche Zeitnot hatte, wir trafen uns schon im Gang zum Flugzeug. Ich frage ihn ob er Fenster oder Gang hat (mir gehört ja die Mitte), er sagt Fenster und bietet mir gleich an, dass ich jedoch auch da sitzen kann wenn ich möchte. Das lasse ich mir natürlich nicht zwei mal sagen, ich liebe Fensterplätze im Flugzeug! Etwas verspätet starten wir dann auch. Nun geht es also auf nach London Heathrow. Auch wenn der Flug nur zwei Stunden lang ist gibt es einen kleinen Snack, was mich sehr erfreut. Wir landen und werden dann ewig nicht aus dem Flugzeug gelassen. Grund? Fehlendes Bodenpersonal. Dementsprechend ist es wenig wunderlich, dass ich schon wieder Zeitnot habe, oder? Ich dachte eigentlich mit zwei Stunden Umstiegszeit sei ich gut aufgestellt. Es gibt jedoch eine erneute Sicherheitskontrolle und ich muss ewig mit einem Bus von Terminal 5 zu Terminal 3 fahren. Dauert alles ewig. Ich renne also wieder durch den Flughafen, da die Anzeigen zu meinem Flug schon sagen „Boarding closing“. Naja. Ich erreiche ihn irgendwie. Für die Flüge hatte ich mir extra eine leere Flasche mitgenommen, die ich am Flughafen mit Wasser füllen wollte… bisher keine Zeit. Nun also 10h Flug mit einzig und allein den im Flugzeug angebotenen Getränken. Ihr könnt euch gar nicht meine Begeisterung vorstellen, als die Stewardess mir verweigerte mir zwei Getränke auf einmal zu geben. Leute, ich dehydriere. Bis die wieder vorbeikommen vergeht ewig viel Zeit. Eigentlich dachte ich American Airlines ist eine gute Fluggesellschaft und ich wurde maßlos enttäuscht. Meine Stewardess war einfach die Enttäuschung in Person. Bisher hatte ich noch nie ein Problem damit zu dem Tomatensaft noch ein Getränk zu bestellen. Etwas Normales und so. Geht nicht. Als nächstes schmeißt sie einen Keks vom Tablett und tut ihn einfach auf ein anderes Tablett. Heißt meine Nachbarin hatte zwei, ich keinen. Später im Flug fällt meine Gabel auf den Boden, als ich ihr Müll anreichen will und sie hebt sie einfach auf und schmeißt sie weg. Ich meine soweit so gut, aber sie gibt mir keine neue. Sie läuft weg bevor ich überhaupt eine neue fordern kann. Mein Essen ist halb gegessen. Ich brauche eine Gabel. Whatever. Der Flug geht irgendwie in einer Mischung aus Filme schauen und dösen vorbei. Ich lande in Dallas. Hier gibt es erst mal einen kostenlosen COVID-Test für zuhause geschenkt. Danke USA. Dann warten Kontrollen auf mich. Einreise – der Typ fragt wo ich hin will, was ich in Peru mache, mit wem ich da bin, bla bla bla. Im Endeffekt lässt er mich passieren. Ein Zug bringt mich von einem Terminal zum anderen. Ich staune das zweite Mal an diesem Tag wie riesig andere Flughäfen doch immer sind. Dann gibt es mal wieder eine Sicherheitskontrolle, dieses Mal ohne Zwischenfälle. Und plötzlich bin ich im Weihnachtswunderland. Der Duty-free-Bereich ist geschmückt. Es sieht alles so amerikanisch aus. Zum ersten Mal an diesem Tag muss ich schmunzeln. Wie im Film. Einfach klischeehaft. Ich bin nun seit 18h unterwegs. Müdigkeit überschaubar. Ich setze mich an mein Gate und warte drei Stunden auf den nächsten Flug. Ein Wasserspender zum Flasche auffüllen habe ich nicht gefunden. War wohl sinnlos sie diesen Flug mitzunehmen. Endlich kann ich boarden. Ich muss nicht erwähnen, dass schon vor dem Boarding gesagt wurde, dass das Flugzeug komplett ausgebucht ist und man keine Sitze tauschen kann, oder? Dann sitze ich im Flugzeug und es geht einfach nicht los. Nach zehn Minuten kommt die Ansage, dass Mechaniker noch was überprüfen müssen. Wir sitzen 40 Minuten im Flugzeug, bis wir Starterlaubnis bekommen. Jetzt nur noch 6:45h fliegen und dann bin ich endlich da. In Lima. Ich freue mich schon auf mein erstes Lama.

Das Lama habe ich dann auch direkt gefunden, als ich mich am Flughafen mit dem Internet verbinden wollte. Kurz später war ich durch die Einreisekontrolle, hatte meinen Reiserucksack wieder und Mario fand mich auch. Zusammen fuhren wir dann mit dem Taxi in unser fancy AirBnb im zwölften Stockwerk mit Blick übers Meer. Da es hier nachts um zwei war habe ich keine Bilder gemacht. Das werde ich wohl erst tun, wenn es wieder hell ist.

Kategorien: DramaLama

2 Kommentare

Toni · 22. Dezember 2021 um 10:44

Oh man, irgendwie hast du das Reisechaos abboniert, oder? Schön, dass du trotzdem sicher angekommen bist!

Jörg · 22. Dezember 2021 um 13:57

Nun wissen wir also, dass man es dankbar annehmen sollte, wenn einem eine „gute Reise“ gewünscht wird. Die kommenden Wochen mögen dich entschädigen.

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